8. Brandverlauf bei Zimmerbränden

8.1. zeitlicher Brandverlauf

Viele Brände haben oft nur eine kleine Ursache, wie die Glutreste in einem Papierkorb. Der Brand greift aber auf immer mehr Gegenstände über, bis vielleicht das ganze Gebäude in Flammen steht. Man kann einen Zimmerbrand in mehrere Phasen einteilen:

Abbildung 29, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 162

In der Zündphase steigt die Temperatur, in unserem Beispiel durch die Glutreste im Papierkorb so lange, bis die Zündtemperatur für Papier (360°C) erreicht ist. Durch den Abbrand der Papierreste im Abfallkorb mit Temperaturen von ca. 800°C wird das PVC des Papierkorbs bei etwa 450°C in Brand gesteckt. Durch die entstehende Wärmestrahlung werden andere in der Nähe liegende brennbare Einrichtungsgegenstände entzündet. (vgl. A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 162)

 


8.2. flash-over und backdraft

Ein flash-over könnte im Deutschen als Flammenübersprung übersetzt werden. Es sammelt sich bei einem Brand in einem geschlossenen Raum der Rauch an der Decke. Dieser enthält noch viele brennbare Stoffe (Pyrolysegase), und nach und nach heizt sich der Rauch immer weiter auf. Ist genug Sauerstoff in der Luft, dann kann der Rauch, wenn er schließlich heiß genug ist, schlagartig durchzünden. Der brennende Rauch heizt von der Decke her alle Gegenstände im Raum auf, die dann ebenfalls blitzartig Feuer fangen. Der gesamte Raum kann innerhalb kürzester Zeit in Flammen stehen.

1981 wurde dieses Phänomen 48 Menschen in der "Star Dust Disco" in Dublin zum Verhängnis. Sämtliche Einrichtungsgegenstände in der Disco gingen durch die Hitze des an der Decke brennenden Rauches innerhalb kürzester Zeit in Flammen auf. Zu dieser Erkenntnis kam man erst, als man die gesamte Disco nachgebaut und angezündet hat. Dieses Experiment verlief so rasant, daß es beinahe außer Kontrolle geraten wäre.

Eine besonders heimtückische Variante des flash-overs ist der sogenannte backdraft (Flammenrückschlag). In diesem Fall ist nicht genug Sauerstoff im Raum vorhanden, um den Rauch zu entzünden. Öffnet man jetzt ein Fenster oder eine Tür, dann verbrennen die aus dem Raum ausströmenden Pyrolysegase mit der sauerstoffhaltigen Außenluft in Form einer Stichflamme. Der in den Raum einströmende Sauerstoff entzündet den aufgeheizten Rauch auf einen Schlag. Es kann dabei zu so hohen Verbrennungsgeschwindigkeiten kommen, daß unter Umständen Gebäudeteile beschädigt werden. (vgl. R. MELMAN 1996)

Für Feuerwehrmänner gibt es einige wichtige Regeln beim Öffnen der Tür:

 


9. Anhang

Literaturverzeichnis:

  • BEUBLER Eckhard: Toxikologie, Graz 1987, Universität Graz, Institut für exp. u. klin. Pharmakologie

    DEMBECK, Hermann: Gefahren beim Umgang mit Chemikalien, 4. überarbeitete und erweiterte Auflage, Stuttgart 1997, Verlag Kohlhammer

    EISHOLD, Ernst: Die Löschmittel, 1. Auflage, Dornbirn 1991, Verlag Wenin

    FALBE, Jürgen und REGITZ Manfred: Römpp Chemie Lexikon, Band 2, 9. Auflage, Stuttgart 1990, Verlag Georg Thieme

    FALBE, Jürgen und REGITZ Manfred: Römpp Chemie Lexikon, Band 4, 9. Auflage, Stuttgart 1991, Verlag Georg Thieme

    FALBE, Jürgen und REGITZ Manfred: Römpp Chemie Lexikon, Band 5, 9. Auflage, Stuttgart 1991, Verlag Georg Thieme

    KLINGSOHR, Kurt: Brennbare Flüssigkeiten und Gase, 6., überarbeitete Auflage, Stuttgart 1996, Verlag Kohlhammer

    KNORR, Karl-Heinz: Die Gefahren der Einsatzstelle, 5., überarbeitete Auflage, Stuttgart 1993, Verlag Kohlhammer

    MELMAN, Richard: Feuer!, Kilroy Television Company Production, ORF 1996

    MOSER, Klaus (1997): Das Brandjahr 1996, in: "Oberösterreichische Feuerwehrzeitschrift Brennpunkt", 3/1997, S. 2-3

    o.V. (1993): Gefährlicher Brandrauch - Der leise Tod, in: "Feuerwehr-Magazin", 9/1993,
    S. 84-95

    o.V.: Brandsicherheit bei Kunststoffen im Kraftfahrzeug, Ludwigshafen 1997,
    BASF Aktiengesellschaft

    o.V.: Chlorchemie: PVC-Brände, http://www.greenpeace.de/GP_DOK_30/HINTERGR/C03HI02H.HTM

    o.V.: Die Dynamik von Feuer und Flamme, http://www.wdr.de/TV/Quarks_Co/feuer/qflash.html

    o.V.: Dioxine/Furane, http://www.icf.de/UISonline/Biomonitoring/bm023.htm

    o.V.: ÖNORM EN 2, Brandklassen, Wien 1985, Österreichisches Normungsinstitut (ON)

    o.V.: ÖNORM F 1000 Feuerwehr- und Brandschutzwesen, Begriffsbestimmungen Brandschutz, Teil 2, Wien 1988, Österreichisches Normungsinstitut (ON)

    o.V.: Sicherheitshinweis 10 zum Umgang mit Acetylen, Linde-Gas

    o.V.: Sicherheitshinweis 2 zur Verhütung von Acetylenflaschen-Explosionen, Linde-Gas

    o.V.: Thermoplaste - Brandschutztechnische Aspekte, Ludwigshafen 1997, BASF Aktiengesellschaft

    PRENDKE, Wolf-Dieter und SCHRÖDER Hermann: Lexikon der Feuerwehr, Stuttgart 1996, Verlag Kohlhammer

    REMPE, Alfons und RODEWALD, Gisbert: Brandlehre, 4. Auflage, Stuttgart 1993, Verlag Kohlhammer

    REMPE, Alfons: Feuerlöschmittel, 6., überarbeitete Auflage, Stuttgart 1997, Verlag Kohlhammer

    RODEWALD, Gisbert: Experimente für den Feuerwehrunterricht, 2., durchgesehene Auflage, Stuttgart 1995, Verlag Kohlhammer

    SCHAUMBERGER, Hubert: Löschvorgang, Linz 1990, Eigenvervielfältigung
    OÖ Landesfeuerwehrschule

    SCHAUMBERGER, Hubert: Verbrennungsvorgang, Linz 1990, Eigenvervielfältigung
    OÖ Landesfeuerwehrschule

    STREIT, Bruno: Lexikon Ökotoxikologie, 1. Auflage, Weinheim 1991, Verlag VCH

    TRETZEL, Ferdinand: Formeln, Tabellen und Wissenswertes für die Feuerwehr, 7., völlig überarbeitete Auflage, Stuttgart 1996, Verlag Kohlhammer

    URBAN, Otto und VIEHHAUSER Martina: Chemie 1, Allgemeine und Anorganische Chemie, 4. Auflage, Wien 1989, Verlag Bohmann

    WEINSPACH, Paul-Michael und GUNDLACH, Jürgen und KLINGELHÖFER, Hans-Georg und NITSCHKE, Klaus und RIES, Reinhard und SCHNEIDER, Ulrich: Analyse des Großbrandes am Flughafen Düsseldorf, Düsseldorf 1997, Staatskanzlei Nordrhein-Westfalen


  • Abbildungsverzeichnis:

    Abbildung 1, Quelle: K. MOSER 1997, S. 2

    Abbildung 2, Quelle: K. MOSER 1997, S. 2

    Abbildung 3, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 110

    Abbildung 4, Quelle: Eigenproduktion

    Abbildung 5, Quelle: K. KNORR 1993, S. 95

    Abbildung 6 und 7, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-6.1 S. 4

    Abbildung 8, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-6.2 S. 11

    Abbildung 9, Quelle: K. KLINGSOHR 1996, S. 54

    Abbildung 10 und 11, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 154

    Abbildung 12, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-9.4 S. 15

    Abbildung 13, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-8.1 S. 2

    Abbildung 14, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 100

    Abbildung 15, 16 und 17, Quelle: IFEX GmbH, Werbeprospekt

    Abbildung 18, Quelle: Gefährliche Stoffe 1997

    Abbildung 19 und 20, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 48

    Abbildung 21 und 22, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 64

    Abbildung 23, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 90

    Abbildung 24, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 92-93

    Abbildung 25 und 26, Quelle: F. TRETZEL 1996, S. 84-85

    Abbildung 27 und 28, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 187-188

    Abbildung 29, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 162

     


     

    Tabellenverzeichnis:

    Tabelle 1, Quelle: K. BRITH 1992, Kapitel II-2.4, S. 14

    Tabelle 2, Quelle: A. REMPE 1997, S. 32

    Tabelle 3, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-8.4 S. 15

    Tabelle 4, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 10 und F. TRETZEL 1996, S. 71

    Tabelle 5, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-3.2, S. 4

    Tabelle 6, Quelle: vgl. A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S.182

    Tabelle 7, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 182

    Tabelle 8, Quelle: W. HAMBERGER 1995, S. 89

    Tabelle 9, Quelle: A. REMPE und G. RODEWALD 1993, S. 183

    Tabelle 10, Quelle: W. HAMBERGER 1995, S. 108 und K. BIRTH 1992, Kapitel II-7.2, S. 8

    Tabelle 11, Quelle: K. BIRTH 1992, Kapitel II-8.1 S. 3

    Tabelle 12, Quelle: E. EISHOLD 1991, S. 86

    Tabelle 13, Quelle: R. AHRENS: Überblick über PVC-Brände