Österreichische THL-Tage 2019 in Rohrbach-Berg

41 Verkehrsunfälle mit eingeklemmten Menschen, mehr als 50 teilweise stark demolierte Fahrzeuge, 3 Teams bauten die Unfallszenarien auf und wieder ab.

41 technische Hilfeleistungen zur Menschenrettung nach einem Verkehrsunfall auf höchstem Niveau waren am Veranstaltungsgelände der Österreichischen THL-Tage 2019 in Rohrbach-Berg zu bestaunen.

41 Teams (TRT's) aus Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik haben sich bei den THL-Tagen gemessen. Auf zwei Pits (abgesicherte Plätze) werden abwechselnd schwere Verkehrsunfälle mit Fahrzeugen und Hindernissen dargestellt. Bei diesen Szenarien war immer eine Person zu retten, wobei die Teams 20 Minuten Zeit dafür hatten. Während dieser Zeit blickte ein Team aus internationalen Schiedsrichtern auf jeden Handgriff und gab den Teams anschließend Feedback. Das Briefing, die Kurzeinweisung vor der Übung und dann das Debriefing, die Manöverkritik des Trainerteams nach der Übung: aus der detaillierten Besprechung des Trainerteams mit jedem Team können viele Erfahrungen und Lerneffekte für die Zukunft gewonnen werden. Entweder für die nächste Übung oder Ausbildung - aber natürlich auch für einen nächsten Ernstfall, der sicherlich wieder eintreten wird.

Beste Stimmung herrschte am Samstag Abend dann bei der Trophäen- und Urkundenübergabe und der anschließenden Abschlussparty. Alle Teams erhielten eine schrifltiche Zusammenfassung ihrer Bewertung und ihre Punkte.

Da es sich um eine Ausbildungsveranstaltung handelt, gibt es auch keine klassiche Rangliste und somit haben wir 41 Siegerteams. Kommandant Wakolbinger bei seiner Ansprache "Die wahren Gewinner dieser Veranstaltung wissen aber noch nichts davon. Das sind jene Menschen, denen wir in künftigen Notlagen helfen müssen, und das Glück im Unglück haben, in die Hände von bestens ausgebildeten und vorbereiteten Feuerwehrfrauen und Männer zu gelangen".

Die nächsten THL-Tage 2020 finden zum 10-Jahres-Jubiläum wieder am ersten Austragungsort statt: in Zirl, Bezirk Innsbruck Land in Tirol.

41 Teilnehmende Teams

Diese 41 Teams zeigten in Rohrbach-Berg bei den Österreichischen THL-Tagen 2019 ihr Können:

Nr Team Staat Bundesland
01 Helfenberg 1 AT
02 TRT Hofkirchen an der Trattnach AT
03 TRT Bezirk Grieskirchen mixed AT
04 TRT Meggenhofen AT
05 Piberschlag AT
06 TRT FF Amesschlag AT
07 TRT Altenschlag 1 AT
08 TRT Altenschlag 2 AT
09 Technische Rettung Sinntal DE HE
10 TRT Mooskirchen AT STMK
11 TRT Kematen am Innbach AT
13 TRT Mühldorf I AT
14 TRT Sattledt AT
15 TRT St. Georgen im Attergau 1 AT
16 Racing Rescue Milevsko CZ C
17 TRT Roitham AT
18 FF Strasshof AT
19 TRT Weibern  AT
22 FF Haslach/Mühl AT
23 TRT St. Martin im Mühlkreis AT
24 TRT St. Georgen 2 AT
25 Freiwillige Feuerwehr Votice CZ S
26 Steinberg AT STMK
27 TRT Team Stadt Haag AT
28 FF Reith AT T
29 TRT-Team Gries im Sellrain  AT T
31 Stadt St. Valentin AT
32 A1 AT
33 FF Oberwang 1 AT
34 Oberwang 2 AT
35 Feuerwehr Krieglach AT STMK
36 TRT Haag am Hausruck AT
37 Freiwillige Feuerwehr Inzing/Tirol AT T
38 TRT Mühldorf II AT
39 TRT Attersee AT
40 TRT Rudersdorf AT BGLD
41 B38 - Piberschlag AT
42 Feuerwehr Zirl AT T
43 Hart Albersdorf AT STMK
44 Feuerwehr Peuerbach AT
45 Technische Rettung Schlüchtern DE HE

Was ist ein TRT (Technical Rescue Team)?

Ein Team von 6 Einsatzkräften muss hierbei innerhalb von 20 Minuten ein Verkehrsunfall-Szenario abarbeiten und einen Patienten seinem Verletzungsmuster entsprechend retten. Die, zum Teil sehr kniffeligen Szenarien, sind der Gruppe aber vorab nicht bekannt, da man sich sein Szenario in einem verschlossenen Kuvert zieht. Vor dem Durchgang wird die antretende Gruppe isoliert, sodass kein Gruppenmitglied sieht, wie sich das Szenario darstellt. Die Lage muss erst erkundet und das Unfallfahrzeug stabilisiert werden. Es gilt verschiedene Gefahren wie Stromkasten, Gasflaschen,… zu erkennen und bekämpfen. Abgestimmt auf die Lage wir ein Rettungsplan entwickelt, der Patienten versorgt und schlussendlich aus seiner Situation im Fahrzeug befreit. Das klappt nur dann, wenn es sich um ein eingespieltes Team handelt und dieses gliedert sich in:

Gruppenkommandant

Der Gruppenkommandant erkundet die Lage und legt gemeinsam mit dem Rettungstrupp den Rettungsweg fest. Er überwacht den gesamten Einsatz und steht ständig mit dem Inneren Retter in Kontakt.

Innerer Retter

Die Aufgabe des Inneren Retters ist der Kontakt mit dem Verletzten, die Stabilisierung der Halswirbelsäule, der Notfallcheck und die Erhaltung der Vitalfunktionen.  Er wird bei Bedarf von einer zweiten Einsatzkraft unterstützt. Er übernimmt das Kommando bei der Rettung des Verletzten aus dem Fahrzeug. Eine Ausbildung als Rettungs- oder Notfallsanitäter ist förderlich. 

Rettungstrupp

Dieser besteht aus 2 Feuerwehrmitgliedern und arbeitet mit den Rettungsgeräten an der Befreiung des Verletzten. Beim Arbeiten stehen sie ständig mit dem Inneren Retter in Kontakt, damit auf die Bedürfnisse des Verletzten Rücksicht genommen werden kann.

Sicherungstrupp

Der Sicherungstrupp (ebenfalls 2 Einsatzkräfte) sichert die Einsatzstelle ab, sorgt für Brandschutzmaßnahmen, stabilisiert und sichert die Unfallfahrzeuge um eine schonende Rettung des Verletzten zu gewährleisten. Er unterstützt die anderen Teammitglieder bei ihren Aufgaben

Jeder Funktion ist ein eigener Schiedsrichter zugeordnet der jeden Handgriff akribisch beobachtet und alle Phasen der Unfallrettung mit einer Checkliste bewertet. Die Schiedsrichter kommen aus Österreich, Deutschland und England. Im Anschluss findet eine 20minütige Nachbesprechung statt. Darin wird der Ablauf noch einmal besprochen.  Es gibt lobende Worte für gutes Vorgehen, eine Auswertung warum vielleicht etwas nicht so gut geklappt hat und Tipps, wie es besser funktionieren könnte. Aber eigentlich sind die THL-Tage nur noch das letzte Highlight einer langen Vorbereitungsphase. Ein Team bereitet sich dafür mit unzähligen Trainings vor. Dabei werden viele Fahrzeuge geschnitten und alle möglichen Szenarien und Techniken durchprobiert. So viel Praxis am hydraulischen Rettungsgerät wie in den paar Monaten, bekommt sonst ein Feuerwehrmann wohl sein Leben lang nicht. Bei realen Einsätzen kann man dann die Früchte aus dieser Trainings ernten – zum Wohle des Patienten.

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